Sophie

Janja

… oder wie es in Ihren Papieren vermerkt ist Stefanie. Ihr Vater, ein Zuchthengst aus Neustadt/Dosse, Namens San Juan beeindruckt den ein oder anderen vielleicht ein wenig. Mich jedoch nicht wirklich, mal abgesehen von ihrem Talent aus dem Stand über meine Zäune zu hüpfen. Sie ist eigentlich auch viel zu groß für meinen Geschmack, ich habe Höhenangst, und mir wird da oben in der ersten Zeit immer ganz komisch.
Trotzdem, ich liebe dieses Pferd.

Wie also kam Janja hier auf den Hof und vor allem warum?
Ich suchte im Herbst vor 4 Jahren nach einem weiteren Pony, dass meinen Don Naldo etwas entlasten könnte. Ich habe es eineigen Leuten erzählt, wie das halt so funktioniert. Eines Tages rief mich eine ehemalige Arbeitskollegin an und meinte, ihr Nachbar hätte das ideale Pferd für mich. Eine Brandenburger Stute, 3 Jahre alt, und in Neustadt angeritten, zuverlässig und super lieb.
Ich bin ja nicht doof also habe ihr gesagt:
a) ist dieses Tier zu groß, ich möchte sie ja in der Arbeit mit behinderten Menschen und Kindern einsetzen
b) ist sie viel zu jung und unerfahren
c) kann ich auf den Papieren eh nicht reiten und daher ist mir auch das egal
Nun meine Kollegin ließ mir aber keine Ruhe. Sie versuchte mit allen Mitteln mir diese Pferd schmackhaft zu machen, warum auch immer. Nach dem ich also schon mehrere Wochen erfolglos war und ich mir den Frust auf dem Pferdemarkt auch noch angetan hatte, dachte ich mir nun bin ich schon fast vor Ort, dann kann ich mir dieses Wunderpferd ja auch noch anschauen, damit ich meine Ruhe habe.
Ich fuhr also mit dem Eigentümer zur Koppel. Dort standen, ich glaube acht oder neun Pferde, unter anderem kleine Kaltblüter, die meinen Vorstellungen schon recht nahe kamen, Janjas Vollschwester und ihre Mutter. Mein erster Gedanke war, die Zweite von links darf es nicht sein, alle anderen hätte ich ohne auch nur einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden nicht gekauft. Was soll ich sagen, diese riesige schlacksige braune Stute war es die ich kaufen sollte. Ich ging also auf die Koppel und der Besitzer stand mit Leckerlis in der Hand da und fütterte seine Pferde. Nur Janja blieb nicht dort. Ich wollte ein paar Fotos machen doch sie folgte mir auf Schritt und Tritt.

Nun was soll ich sagen, ich ließ mich zu einem Proberitt überreden.
Wir, meine Kollegin und ich, starteten an einem Sonntag. Wir ritten an einem Fußballplatz vorbei, immer verfolgt von dem Jeep des Eigentümers. Meine treue Seele blieb ganz ruhig. Auch als das sichere Geländepferd meiner Mitreiterin vor einem Fahrrad flüchtete, anschließend vor einem Reh und dann nicht an den Schafen vorbei wollte, Janja hat nichts aus der Ruhe gebracht. Einzig das monstergefährliche Kalb, dass hinter den Büschen am Deich hervorsprang, hat sie dazu veranlasst einen Satz zur Seite zu machen. Blöd war nur, dass neben uns das Wasser war, wir nun am Hang standen und nahe dran waren dort weiter hinunter ins Wasser zu rutschen. Sie blieb ganz ruhig, peilte die Lage und kletterte mit einer Seelenruhe wieder nach oben.
Was soll ich noch sagen, groß oder nicht, sie war gekauft. Hätte ich allerdings vorher gewusst, dass sie erst im Frühjahr angeritten wurde und seit her noch zwei Mal in der Bahn für kurze Zeit jemand drauf saß und sie nicht mehr im Gelände war seit sie in Neustadt war, ich hätte mich im Leben nicht dort oben drauf gesetzt. Gut das ich es nicht wusste.